Thorsten van Stipriaan English

Erst den Ablauf sehen

stabil

Ein Shell-Skript beginnt oft mit einem kleinen Ärgernis. Drei Befehle müssen in derselben Reihenfolge laufen, ein Verzeichnis muss vorher existieren, am Ende soll eine Datei an der richtigen Stelle liegen. Nach dem dritten Mal liegt der Gedanke nahe: Das kann ein Skript.

Meistens stimmt das.

Gefährlich wird es eine Stufe früher. Wenn noch nicht klar ist, welche Schritte wirklich dazugehören, automatisiert das Skript nicht den Ablauf, sondern die Verwirrung darüber. Danach wirkt sie stabiler, weil sie reproduzierbar geworden ist. Ein Fehler, der zuverlässig wiederholt wird, sieht von außen fast wie ein Prozess aus.

Der erste nützliche Schritt ist deshalb oft nicht Automatisierung, sondern Beobachtung. Welche Eingabe ändert das Ergebnis? Welche Prüfung fängt einen Fehler ab? Welcher Teil ist Handarbeit, weil noch kein Urteil dafür formuliert werden kann? Erst wenn diese Stellen benannt sind, lohnt es sich, sie in Code zu legen.

Das spricht nicht gegen größere Systeme. Manche Abläufe werden mit der Zeit wirklich größer: mehr Fälle, mehr Zustände, mehr Verantwortung. Dann darf aus dem Skript ein Werkzeug werden. Nur sollte das Wachstum aus der beobachteten Mechanik kommen, nicht aus dem Wunsch, dass ein einfacher Vorgang endlich nach Architektur aussieht.

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