Thorsten van Stipriaan English

Wenn die Mechanik sichtbar bleibt

stabil

Eine Textdatei kann fast nichts verbergen. Sie liegt auf der Platte, lässt sich öffnen, durchsuchen, kopieren, vergleichen, wegwerfen. Das klingt nach wenig. Gerade darin steckt ein Maßstab für Werkzeuge, die mit Wissen arbeiten.

Bei Sextile ist nicht nur die berechnete Figur interessant. Interessant ist, ob später noch sichtbar bleibt, wie diese Figur zustande kam: welche Eingaben verwendet wurden, welche Regeln gegriffen haben, in welcher Reihenfolge eine Ableitung entstanden ist. Das Ergebnis allein wäre eine Antwort. Die Ableitung ist die Stelle, an der man der Antwort widersprechen kann.

Darum ist sichtbare Mechanik keine nostalgische Vorliebe für einfache Dateien. Eine Oberfläche darf ruhig bequem sein. Ein Programm darf rechnen, filtern, sortieren und abkürzen. Nur sollte die Abkürzung nicht der einzige Ort sein, an dem der Gedanke existiert.

Die Grenze zeigt sich meistens erst später. Nach sechs Monaten ist nicht mehr wichtig, dass ein Werkzeug einmal elegant gewirkt hat. Wichtiger ist, ob noch rekonstruiert werden kann, warum eine Notiz, eine Entscheidung oder eine Berechnung dort gelandet ist. Wenn das nur in der Anwendung selbst lebt, gehört ein Teil der Arbeit bereits der Anwendung.

Nicht jeder Zwischenschritt muss ausgestellt werden. Aber die entscheidenden sollten greifbar bleiben.

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