Welche Konstruktion ist klein genug und hält trotzdem?
verengt sich
Woran sie enger wird
Früher hätte ich diese Frage wahrscheinlich als Vorliebe für kleine Werkzeuge beschrieben. Eine Datei statt einer Datenbank. Ein Skript statt einer Plattform. Ein überschaubarer Ablauf statt eines Systems, das zuerst seine eigenen Begriffe erklärt.
Das reicht als Maßstab nicht mehr.
Eine Konstruktion kann zu klein sein. Dann ist heute alles angenehm direkt, und morgen liegt die eigentliche Abhängigkeit an einer Stelle, die keinen Namen, keine Prüfung und keine eigene Form bekommen hat. Unterbau ist schwerer zu erkennen als Überbau. Er macht keinen Lärm.
Die Frage wird deshalb enger: Welche Entscheidung muss eine eigene Form bekommen, damit die nächste Änderung nicht zur Suche nach einem versteckten Zusammenhang wird?
Der brauchbare Test
Bei Sextile zeigt sich das nicht an der Menge des Codes, sondern an der Ableitung. Eine Berechnung kann als Ergebnis gespeichert werden. Das wäre kleiner. Wenn später aber überprüfbar bleiben soll, welche Eingaben, Regeln und Zwischenschritte zu diesem Ergebnis geführt haben, braucht diese Ableitung einen Ort. Vielleicht ist das eine Datei. Vielleicht eine Datenstruktur. Vielleicht eine Prüfung, die scheitern kann.
Der Maßstab wäre dann nicht: Wie wenig Konstruktion ist möglich?
Sondern: Welche Konstruktion hält die entscheidende Begründung dort fest, wo sie wiedergefunden, geändert und bestritten werden kann?
Das ist nah an der kleinsten haltbaren Konstruktion, aber nicht identisch mit ihr. Die kleinste Form ist nur dann brauchbar, wenn sie auch den späteren Zugriff auf das Problem nicht verstellt.
Der Gegenfehler
Ich will damit nicht aus jeder möglichen Änderung eine heutige Architektur machen. Das wäre die alte Ausweichbewegung: Man baut für die Fantasie der Zukunft und bezahlt sofort mit Begriffen, Schichten und Wartung.
Aber das andere Versagen ist realer geworden. Wenn ein System zu wenig Form hat, erscheint es zunächst angenehm schlicht. Erst beim zweiten oder dritten Umbau zeigt sich, dass die Einfachheit nur darin bestand, die schwierige Entscheidung ohne Namen zu lassen.
Die Frage ist damit nicht mehr, ob ich klein bauen will. Das will ich fast immer. Die Frage ist, welche Stelle groß genug sein muss, damit der Rest klein bleiben darf.
- Überarbeitet
- Verfasst